Sehr geehrter Herr Minister

Im Jänner 2011 ging ich, Frau Karl Andreas Falschner, Einwohner
Favoritens und Schreiber satirischer, absolut erfundener
Märchenkurzgeschichten, im Zuge eines In-Sich-Geschäft des Kunstverleihs
an Karl Andreas Falschner, Einwohner Favoritens und Schreiber
satirischer, absolut erfundener Märchenkurzgeschichten.
Zu diesem Zeitpunkt war ich die Fernsehdiskussion “Um Rekursion zu
verstehen, muss man Rekursion verstehen”.

Karl Andreas Falschner wie schon erwähnt schrieb ab und an satirische,
absolut erfundene Märchenkurzgeschichten. Da er aber schon lange keine
mehr geschrieben hatte und auch keine Idee hatte, sagte er zu sich
„Screw plausibility. Es sind ja Märchen. Ich erfinde einfach irgendetwas
total Abstruses, und lasse es diesmal gar nicht im Märchenland spielen.“
Also schrieb er:

Es gilt die Unschuldsvermutung.
Es gab einmal einen Mann, nennen wir ihn KHG. Der wurde – die genaueren
politischen Umstände interessieren hier nicht – Finanzminister. Ein paar
Jahre später, löste sich seine Partei in der Regierung auf, er trat aus
und wurde bald darauf parteiloser Finanzminister, saß aber im
Bundesvorstand einer anderen Partei.
Er behauptete zwar, neoliberal zu sein, führte aber die höchste
Abgabenquote jemals ein, auch noch in einem Wirtschaftstief. Dadurch und
auch durch den Verkauf gewinnbringender Unternehmen schaffte er
einmalig, ein sogenanntes Nulldefizit, was aber letztlich auch mehr eine
buchhalterische denn finanzpolitische Leistung war. Bei vielen dieser
Verkäufen von teilweise sehr gewinnbringenden Unternehmen verdienten
Lobbyisten – teilweise Freunde oder Trauzeugen von KHG – ordentlich mit,
oder sie waren sehr preiswert usw. Bei teuren Einkäufen wiederum
wechselte er unerwartet seine Meinung.
In seiner Amtszeit passierten auch andere Dinge, so wurde einem Verein,
dessen Obmann sein Kabinettschef war, eine Viertelmillion geschenkt.
Eine durchschnittliche – ob private oder offizielle – Homepage für KHG
persönlich wurde gemacht, angeblich um dieses Geld. Der Mutterkonzern
des Unternehmens schlitterte nachher unter eher mysteriösen Umständen in
Konkurs. Schenkungssteuer zahlte der Finanzminister für die geschenkte
Homepage nicht. Er bestritt einen Banker zu kennen, der in einen der
größten Bankenskandale verwickelt war, dann musst er aber zugeben, dass
er ihn mehrmals getroffen hatte. Bei diesem Bankenskandal gab er einer
ihm unterstellen Behörde Zielvorgaben, wem die Schuld – nämlich dem
politischen Gegner – an dem Skandal in die Schuhe zu schieben sei, und
dann behauptete er, er selbst hätte die Bank gerettet, die aber
letztlich ans Ausland verkauft wurde, wenngleich sie nicht pleite ging.
Er ließ sich von Lobbyisten Urlaube bezahlen, bekam Autos „geborgt“ von
Personen, denen er zu Aufsichtsratspositionen in Staatsunternehmen
verholfen hatte, ließ sich Aufenthalte von Banken zahlen knapp nachdem
er andere Politiker deswegen geschmäht hatte, dissertierte bei einem
Berater von ihm, den er auch zum Leiter einer Kommission machte – wurde
aber trotzdem nie Doktor usw.
Dann sagte er auch mehrfach, eine Zeitung hätte ihn zum besten
Finanzminister Europas gewählt, aber in dem Artikel waren lediglich die
Minister in alphabetischer Reihenfolge aufgezählt.

Jahre später wurde zwar irgendwie schon auch gegen ihn halt so ein
bisschen ermittelt, angeklagt wurde er aber nie. Da aber die Medien böse
zu ihm waren und man ja irgendwie ein bisschen ermittelte, sagte er, er
werde sich an den Menschengerichtshof wenden.
Da bei den vielen Ermittlungen nicht viel rausgeschaut hatte, zeigte er
sich gleich selbst wegen Steuerhinterziehung an. Ein kompliziertes – und
sicherlich vereinbares – Firmengeflecht hatte ihm unversteuerte Gewinne
gebracht – während seiner Zeit als Finanzminister und davor auch.
Allerdings hatte er während seiner Zeit als Finanzminister die
Verjährungsfrist verkürzt, so dass er weniger zahlen musste.

Aber obwohl er ein Liebling des Boulevard war, begann die öffentliche
Meinung über ihn etwas schlechter zu werden.

Daraufhin las er diesen Brief im Fernsehen und kam sich gut dabei vor:

„Sehr geehrter Herr Minister
Sie sind für diese abscheuliche Neidgesellschaft zu jung als
Finanzminister gewesen, zu intelligent, zu gut ausgebildet, aus zu
gutem, wohlhabenden Haus, zu schön und was für alles der Punkt auf dem I
ist, auch noch mit einer schönen und reichen Frau verheiratet. So viel
Glück darf ein einzelner Mensch einfach nicht haben, da muss man etwas
dagegen tun. Es ist wirklich traurig…..“

Es gilt die Unschuldsvermutung.

So endete die Geschichte, aber als Karl Andreas Falschner sie noch
einmal las, war sie ihm doch zu abstrus.

KAF, inspiriert durch die Disneyshow Im Zentrum und die Unschuldsvermutung.

Karl A. Falschner

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