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Wer ist die Dame?
18.10 2009
Sonntag, 16:09
S.U.M. Albrecht
Immer wildere Spekulationen werden laut, solch gewöhnliche Fragen wie: Wer ist sie? Woher kommt sie? Wie mag wohl ihr Name sein?, erhalten so einen ganz neuen und speziellen Reiz.

Die Meinungen sind geteilt. Nur wenn es um die Bewertung des Äußeren geht, sind sich alle einig: Die Dame im Strandkorb hat die schönsten Beine! Mehr von ihr hat noch keiner gesehen.

Sitzt sie nicht im Strandkorb, schleppt sie einen großen Schirm mit sich herum. Die Dame im Strandkorb gibt viele und immer wieder neue Rätsel auf. Das Gerede nimmt unaufhaltsam seinen Lauf. Ständig wird hinter vorgehaltener Hand getuschelt: Aus welchem Grund nur schleppt sie bloß immer diesen riesigen Schirm mit sich herum? Wie sieht eigentlich der obere Teil von ihr aus?

Keiner weiß etwas genaues, aber Anschuldigungen und Mutmaßungen gibt es zu Hauf. Viele Köpfe, verschiedene Meinungen und doch wird keiner daraus schlau. Vielleicht, nein bestimmt sogar, wird sie steckbrieflich gesucht. Etwas zu verbergen hat sie allemal, dass ist mittlerweile jedem klar. Aber auch die Stimmen der Vernunft, des Mitleids und der Nachsicht werden laut. Vielleicht zwingt sie die Rücksicht auf andere Menschen sich zu verstecken, um diese nicht mit ihrem Aussehen abzuschrecken. Oder ist sie etwa doch eine berühmte Persönlichkeit, und drückt sich so nur gekonnt und äußerst erfolgreich um die fällig werdende Autogrammstunde herum. Es könnte auch eine Marotte, eine ganz gefährliche Macke von ihr sein, so eine Art Perversion. Oder ist es doch eher der letzte Schrei aus einem Modekatalog. Womöglich ist sie nur auf ihren Teint bedacht. Schüchtern, mundfaul oder gar unfreundlich wird sie sein und das macht sie einfach unempfänglich für jeden Gruß.

Doch keine dieser vielen Behauptungen und Vermutungen trifft tatsächlich zu. Die geheimnisumwobene Dame, die ihr Zuhause im Strandkorb gefunden hat, ist in Wirklichkeit ein Mann, aber nicht minder sonderbar. Und verlässt stets mit einer Boa bekleidet den großen Doppelkorbstuhl mit Sonnendach. Er trägt sie so wie es sein soll, direkt um den Hals. Wie man eben als ein gesunder, junger Mann der Frauenkleider bevorzugt, eine Riesenschlange, nur tragen kann, und verlässt so täglich seinen gemütlichen Doppelkorbstuhl. Das faule und eingebildete Kriechtier, mit dem Namen Klaus, lässt sich viel und gern vom menschlichen Kollegen zum Spaziergang tragen. Allerdings gut abgeschirmt, denn sie ist nicht nur eine leicht reizbare Schlange, sondern der gefeierte Star einer beliebten und stets ausverkauften Westernschau. Jeden Abend wilde Schießereien und tosender Applaus, das halten auf die Dauer auch die stärksten Schlangennerven nicht aus. Dann sitzt sie ihrem längst traumatisierten Partner übel launig im Nacken und findet anschließend, nach viel gutem zureden, an dessen Hals die wohlverdiente Ruh.

Tagsüber, außerhalb der Show, wünscht sie kein Beifallskundgebungstum ... und keine Huldigung der eigenen Person. Deshalb ist ihr Kollege, „die Dame im Strandkorb“, die in Wirklichkeit ein Mann ist, zu allem bereit. Er zeigt sich kooperativ, liest ihr jeden Wunsch von der gespaltenen Zunge ab, und schleppt die schwere Last scheinbar mühelos mit sich herum. Doch diesen Albdruck hält er nicht mehr lange aus. Kurz davor zu kollabieren, richtet er sich aber selber wieder auf. Er weiß viel schlimmer kann es nicht mehr kommen. Und zum Glück braucht er sich nur um eine Schlange zu kümmern. Und ist die erst einmal zufrieden gestellt, dann macht er in seinem Strandkorb „Ferien vom Ich“ und hat auch endlich seine wohlverdiente Ruh.

Und bis es soweit ist, spielt er nachts den Cowboy und schleppt am Tag den großen Partnerschirm auf seinen hochhackigen Schuhen herum ... Und freut sich insgeheim nur auf die Rückkehr zu seinem großen Doppelkorbstuhl ...

Von Susanne Ulrike Maria Albrecht

Und hier noch ein Literaturhinweis:

"Verdächtige und andere Katastrophen": Susanne Ulrike Maria Albrecht. ISBN: 978-3-941105-11-9, Nordmann-Verlag 2009

"Verdächtige und andere Katastrophen" ist ein Krimi. Weniger ein Krimi im herkömmlichen Sinne, vielmehr eine Satire, meint der Verlag dazu.
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anonyma les@ / 03.11.2009 18:58

fwgdlte / 03.11.2009 18:58
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